Wissensblog · Leaky Gut & Autoimmunität
Immer wieder Blasenentzündung – was der Darm und HPU damit zu tun haben
Wenn dich Blasenentzündungen immer wieder erwischen, liegt das selten daran, dass du dich zu leicht angezogen hast. Die Keime, die dahinterstecken, stammen in den allermeisten Fällen aus dem Darm – er ist das Reservoir, aus dem sie immer wieder nachrücken. Und ob sie sich festsetzen können, entscheidet sich an zwei Stellen: an einer schützenden Scheidenflora und an einer widerstandsfähigen Schleimhaut. Für beides braucht dein Körper Bausteine, allen voran Zink – und genau das verliert er bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) laufend.
Gleich vorweg, weil es wichtig ist: Eine akute Blasenentzündung sollte ärztlich abgeklärt werden, besonders bei Fieber oder Flankenschmerzen. Hier geht es nicht um die akute Behandlung, sondern um die Frage, warum sie immer wiederkommt.
Warum kommt sie immer wieder?
Weil das Antibiotikum den Brand löscht, aber nicht die Zündquelle. Die häufigsten Verursacher – allen voran E. coli – sind Darmbakterien. Sie wandern über den kurzen Weg zur Harnröhre immer wieder neu ein. Solange dieses Reservoir unverändert bleibt, ist die nächste Runde eine Frage der Zeit.
Dazu kommt ein unangenehmer Nebeneffekt: Jede Antibiotikagabe trifft nicht nur die Übeltäter, sondern auch die schützende Darm- und Scheidenflora (warum der Aufbau danach eigenen Regeln folgt). Der Schutzwall wird also mit jeder Behandlung ein Stück dünner – und der nächste Infekt hat es leichter. Viele Frauen stecken genau in dieser Spirale.
Was hat die Scheidenflora damit zu tun?
Sie ist der eigentliche Türsteher. Eine gesunde Scheidenflora wird von Laktobazillen dominiert, die das Milieu sauer halten und Darmkeimen die Ansiedlung schwer machen. Fehlen diese schützenden Bakterien, steigt das Risiko einer Besiedelung mit E. coli erheblich – und damit das Risiko für den nächsten Infekt.
Hier zeigt sich, wie eng Darm und Unterleib zusammenhängen: Die Scheidenflora wird maßgeblich aus dem Darm gespeist. Ist die Darmflora aus dem Gleichgewicht, fehlt oben oft auch unten der Schutz.
Was hat HPU damit zu tun?
Sie schwächt die Verteidigung an mehreren Stellen gleichzeitig. Bei HPU verliert der Körper dauerhaft unter anderem Zink, Vitamin B6 und Mangan über den Urin (was HPU genau ist) – und Zink ist einer der wichtigsten Bausteine für die Schleimhäute und für die Immunabwehr. Eine gut versorgte Schleimhaut ist widerstandsfähig; eine unterversorgte ist eine offene Tür.
Dazu kommt: Wer bei HPU ohnehin mit einem gereizten Darm und einer verschobenen Darmflora zu tun hat, hat auch bei der Scheidenflora selten optimale Voraussetzungen (wie Darm und Immunsystem zusammenhängen). Das erklärt, warum wiederkehrende Blasenentzündungen bei HPU so auffällig häufig sind.
„Wenn eine Frau mir erzählt, sie habe im letzten Jahr fünf Antibiotika wegen der Blase gebraucht, schaue ich nicht auf die Blase. Ich schaue auf den Darm und darauf, ob ihr Körper überhaupt genug Zink hat, um seine Schleimhäute zu verteidigen. Sonst drehen wir uns im Kreis.” — Dr. Claudia Bentzien
Warum bringt das nächste Antibiotikum nichts?
Doch, im akuten Fall bringt es sehr wohl etwas – und manchmal ist es notwendig. Der Punkt ist ein anderer: Es löst das Wiederholungsproblem nicht. Wer beim fünften Infekt im Jahr wieder nur das gleiche Mittel bekommt, behandelt jedes Mal das Symptom und nie den Grund, warum die Abwehr so leicht überrannt wird.
Genau deshalb lohnt sich bei häufigen Wiederholungen der Blick auf das Terrain: Darmflora, Scheidenflora, Schleimhautversorgung, Nährstofflage.
Was solltest du jetzt tun?
Akut immer ärztlich abklären – vor allem bei Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin oder in der Schwangerschaft. Eine aufsteigende Infektion kann die Nieren betreffen, und das ist nichts, womit man experimentiert.
Und bei Wiederholungen: Frag nach dem Warum statt nach dem nächsten Rezept. Wenn du zusätzlich die typischen Begleiter kennst – Erschöpfung, empfindliche Verdauung, Reizempfindlichkeit, vielleicht auch Hautthemen (wie sich das an der Haut zeigt) –, lohnt es sich zu prüfen, ob eine HPU im Hintergrund mitspielt. Zink sollte dabei nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen werden.
Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist die wiederkehrende Blasenentzündung eines der Themen, bei denen sich am deutlichsten zeigt: Es geht nicht darum, den Keim noch einmal zu bekämpfen, sondern darum, dass dein Körper wieder in der Lage ist, ihn selbst abzuwehren.
Häufige Fragen
Wann sollte ich mit einer Blasenentzündung zum Arzt?
Immer bei Fieber, Flankenschmerzen, Blut im Urin, in der Schwangerschaft oder wenn die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen nicht besser werden. Dann besteht die Gefahr, dass die Nieren beteiligt sind – das sollte ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Auch bei häufigen Wiederholungen ist eine ärztliche Einordnung sinnvoll.
Warum kommt die Blasenentzündung nach dem Antibiotikum wieder?
Weil das Antibiotikum den akuten Infekt beendet, aber nichts am Reservoir ändert. Die typischen Keime stammen meist aus dem Darm und besiedeln von dort immer wieder neu. Gleichzeitig schwächt jede Antibiotikagabe die schützende Darm- und Scheidenflora – was die nächste Runde eher wahrscheinlicher macht.
Was hat die Scheidenflora mit Blasenentzündungen zu tun?
Sehr viel. Eine von Laktobazillen dominierte Scheidenflora hält das Milieu sauer und erschwert es Darmkeimen, sich anzusiedeln. Fehlen diese schützenden Bakterien, steigt das Risiko einer Besiedelung mit E. coli deutlich – und damit auch das Risiko für wiederkehrende Infekte.