Wissensblog · Darm, Hormone & Erschöpfung

HPU und Gelenk- und Muskelschmerzen – woher der Dauerschmerz kommen kann

Veröffentlicht: 24. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Wenn Gelenke und Muskeln dauerhaft schmerzen, ohne dass ein klarer Befund vorliegt, lohnt der Blick auf die Baustoffe. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verliert der Körper laufend unter anderem Mangan – und Mangan ist doppelt wichtig für den Bewegungsapparat: Es wird für die Enzyme gebraucht, die den Knorpel aufbauen, und für das wichtigste Antioxidans der Mitochondrien, das die Zellen vor freien Radikalen schützt. Fehlt es über Jahre, trifft das Aufbau und Schutz gleichzeitig.

Damit sind Arthrose oder Rheuma nicht erklärt – das sind eigenständige Erkrankungen, die ärztlich betreut werden sollten. Aber ein solcher Dauermangel kann ein Umfeld schaffen, in dem Schmerz leichter entsteht und schlechter wieder verschwindet.

Warum ist Mangan für Gelenke so wichtig?

Weil Knorpel kein totes Polster ist, sondern ständig auf- und abgebaut wird. Für den Aufbau braucht der Körper Proteoglykane – die Moleküle, die dem Knorpel seine Elastizität und Wasserbindung geben. Die Enzyme, die diese Proteoglykane herstellen, arbeiten mit Mangan als Werkzeug. Fehlt Mangan, stockt der Nachschub für genau das Gewebe, das ohnehin unter Belastung steht.

Der zweite Punkt ist mindestens so spannend: Das wichtigste Antioxidans in den Mitochondrien benötigt ebenfalls Mangan. Es fängt aggressive Sauerstoffverbindungen ab, bevor sie Schaden anrichten. Und oxidativer Stress gilt bei der Arthrose als einer der zentralen Faktoren im Krankheitsgeschehen. Ein Manganmangel schwächt also ausgerechnet die Schutztruppe, die dort gebraucht wird.

Was hat HPU damit zu tun?

Bei HPU verliert der Körper dauerhaft unter anderem Vitamin B6, Zink und eben Mangan über den Urin (was HPU genau ist). Über Jahre entsteht daraus kein akuter Ausfall, sondern eine schleichende Unterversorgung – und die zeigt sich zuerst dort, wo viel gebraucht wird: in Geweben mit hohem Umsatz und in Zellen mit hohem Energiebedarf.

Dazu kommt, dass bei HPU die Mitochondrien ohnehin unter Druck stehen. Muskeln sind auf ihre Energieproduktion angewiesen – arbeiten die auf Sparflamme, wird jede Belastung teurer, die Erholung dauert länger, und Muskelkater fühlt sich an, als hätte man Marathon statt Spaziergang gemacht. Wer dieses Muster kennt, kennt oft auch die dazugehörige Erschöpfung (wenn der Körper einfach nicht mehr kann).

„Ganz viele meiner Klientinnen haben irgendwann die Diagnose Weichteilrheuma bekommen und sonst nichts. Wenn dann herauskommt, dass dem Körper seit Jahren die Bausteine für Knorpel und Zellschutz fehlen, ergibt der Dauerschmerz plötzlich Sinn – und lässt sich auch anders angehen.” — Dr. Claudia Bentzien

Gibt es einen Zusammenhang zwischen HPU und Fibromyalgie?

In der funktionellen Medizin wird er häufig beschrieben. Die Erklärung dort lautet, dass nicht ausgeschiedene Zwischenprodukte des gestörten Häm-Stoffwechsels sich im Muskel- und Bindegewebe ablagern und dort Schmerz auslösen. Ich halte diesen Erklärungsansatz für plausibel – ehrlicherweise gibt es dafür aber keine belastbaren Studien, und ich möchte ihn dir nicht als gesicherte Tatsache verkaufen.

Was sich dagegen im Praxisalltag zeigt: Die Beschwerdebilder überschneiden sich stark. Erschöpfung, Schmerz, Reizempfindlichkeit, schlechter Schlaf (warum HPU den Schlaf stört) – dieses Bündel taucht bei beidem auf. Deshalb lohnt es sich, HPU mitzudenken, wenn eine Fibromyalgie-Diagnose im Raum steht und die üblichen Wege nicht weiterführen.

Was solltest du jetzt tun?

Zuerst ärztlich abklären lassen – und zwar ernsthaft. Geschwollene, überwärmte oder morgens lange steife Gelenke können auf eine entzündlich-rheumatische Erkrankung hinweisen. Die sollte früh erkannt und behandelt werden, weil sich Gelenkschäden dann oft vermeiden lassen. Das ist nichts, was man erst mal mit Nährstoffen probiert.

Und parallel: Wenn die Rheumatologie nichts Entzündliches findet oder die Schmerzen trotz Behandlung bleiben, lohnt der Blick auf die Versorgungslage. Erkennst du dich im Gesamtbild wieder – Schmerz plus Erschöpfung, empfindliche Verdauung, Reizempfindlichkeit –, kann eine HPU dahinterstecken. Mangan ist dabei ein Sonderfall: Es sollte nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen werden, denn zu viel davon wirkt selbst oxidativ. Mehr ist hier ausdrücklich nicht besser.

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist Dauerschmerz ohne Befund selten Einbildung. Meist ist es ein Körper, der seit Jahren mit zu wenig Material repariert – und das lässt sich klären.

Häufige Fragen

Wann sollte ich Gelenkschmerzen ärztlich abklären lassen?

Bei geschwollenen, überwärmten oder morgens lange steifen Gelenken, bei Beschwerden, die über Wochen anhalten oder wandern, und bei zusätzlichem Krankheitsgefühl. Dahinter kann eine entzündlich-rheumatische Erkrankung stecken, die früh behandelt werden sollte – je eher, desto besser lassen sich Gelenkschäden vermeiden.

Welche Rolle spielt Mangan für die Gelenke?

Mangan ist Cofaktor der Enzyme, die Proteoglykane bilden – also genau die Bausteine, aus denen gesunder Knorpel besteht. Außerdem braucht das wichtigste Antioxidans der Mitochondrien Mangan, um freie Radikale abzufangen. Ein Mangel trifft damit Aufbau und Schutz zugleich.

Kann Fibromyalgie mit HPU zusammenhängen?

In der funktionellen Medizin wird dieser Zusammenhang häufig beschrieben, weil sich die Beschwerdebilder stark überschneiden – belastbare Studien dazu gibt es allerdings nicht. Bei ausgeprägten, anhaltenden Schmerzen sollte die Diagnostik immer ärztlich erfolgen.

← Alle Beiträge im Wissensblog