Wissensblog · Leaky Gut & Autoimmunität

HPU und Haut – was Zinkmangel mit Neurodermitis und Psoriasis zu tun hat

Veröffentlicht: 22. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Haut und Darm hängen enger zusammen, als die meisten vermuten – und bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verbindet beide dasselbe Nadelöhr: Zink. Der Körper verliert es bei HPU laufend über den Urin, und Zink ist einer der wichtigsten Bausteine sowohl für die Hautbarriere als auch für die Darmbarriere. Fehlt es dauerhaft, wird beides durchlässiger: Die Haut reagiert empfindlicher, der Darm lässt mehr durch, und das Immunsystem bleibt in Alarmbereitschaft.

Neurodermitis oder Psoriasis entstehen dadurch nicht – das sind eigenständige Erkrankungen, die dermatologisch behandelt werden sollten. Aber ein solcher Dauermangel kann sie befeuern. Und er erklärt, warum Cremes allein bei manchen Menschen nie ganz zur Ruhe führen.

Was hat der Darm mit meiner Haut zu tun?

Mehr, als das Spiegelbild vermuten lässt. Ein großer Teil des Immunsystems sitzt im Darm (wie eng das zusammenhängt) – und die Haut ist eines der Organe, an denen sich ein dauerhaft gereiztes Immunsystem am deutlichsten zeigt. Verschiebt sich die Darmflora oder wird die Darmwand durchlässiger, gelangen Stoffe in den Körper, die das Immunsystem beschäftigen. Die Entzündungsbereitschaft steigt – und die Haut ist oft die Bühne, auf der das sichtbar wird.

Das ist keine Küchentisch-Theorie: Bei Schuppenflechte findet man auffällig häufig eine veränderte Darmflora und eine durchlässigere Darmbarriere (was Leaky Gut bedeutet).

Warum ist ausgerechnet Zink so wichtig für die Haut?

Weil die Haut ein Hochleistungsgewebe ist, das sich ständig erneuert – und Zink an fast jedem dieser Schritte beteiligt ist: an der Zellteilung, an der Wundheilung, an der Stabilität der Verbindungen zwischen den Hautzellen und an der Regulation des Immunsystems.

Fällt Zink weg, leidet zuerst die Barriere. Die Haut wird trockener, empfindlicher, heilt schlechter. In extremer Form ist ein Zinkmangel sogar an sehr typischen Hautveränderungen erkennbar – ein Hinweis darauf, wie unmittelbar dieser Zusammenhang ist.

Was hat HPU damit zu tun?

Bei HPU verliert der Körper genau dieses Zink dauerhaft über den Urin, zusammen mit Vitamin B6 (was HPU genau ist). Damit fehlt der Haut ihr wichtigster Baustoff – und der Darmwand ebenfalls, denn auch dort hält Zink die Verbindungen zwischen den Zellen dicht.

Und jetzt schließt sich ein Kreis, der es in sich hat: Ein durchlässiger Darm nimmt Zink schlechter auf. Weniger Zink macht die Darmbarriere wiederum durchlässiger. Ein Mangel, der sich selbst am Leben hält – und die Haut zahlt mit.

„Wenn eine Frau mit jahrelanger Neurodermitis zu mir kommt und schon jede Creme durchhat, schaue ich nicht zuerst auf die Haut. Ich schaue, ob ihr Körper überhaupt das Material hat, um eine Barriere zu bauen – außen wie innen. Bei HPU fehlt genau das.” — Dr. Claudia Bentzien

Warum reichen Cremes oft nicht?

Weil sie von außen ausgleichen, was von innen nicht nachkommt. Eine gute Pflege ist wichtig und lindert – aber wenn dem Körper der Baustoff für eine stabile Barriere fehlt, kehrt das Problem zurück, sobald die Creme wegbleibt. Dasselbe gilt für Cortison: Es bremst die Entzündung, ändert aber nichts daran, warum das Immunsystem überhaupt so gereizt ist.

Wer hier nur außen arbeitet, behandelt die Sichtbarkeit des Problems, nicht seine Grundlage.

Was solltest du jetzt tun?

Beides parallel. Erstens: Lass Neurodermitis oder Psoriasis dermatologisch betreuen. Das sind echte Erkrankungen mit guten Behandlungsmöglichkeiten, und darauf sollte niemand verzichten.

Zweitens: Wenn du zusätzlich die typischen Begleiter kennst – Erschöpfung, empfindliche Verdauung, Reizempfindlichkeit, vielleicht auch Histaminreaktionen (wie Histamin da mit hineinspielt) –, lohnt es sich zu prüfen, ob eine HPU im Hintergrund mitspielt. Zink sollte dabei nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen werden. Gerade bei Zink ist das wichtig: Es hat mit Kupfer einen Gegenspieler, der bei dauerhaft hoher Zufuhr aus dem Gleichgewicht gerät.

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) beruhigt sich hartnäckige Haut am ehesten dann, wenn Darm und Nährstofflage mit im Blick sind – nicht statt der dermatologischen Behandlung, sondern als das Fundament darunter.

Häufige Fragen

Kann ein Zinkmangel Hautprobleme verursachen?

Zink ist einer der zentralen Bausteine für eine intakte Hautbarriere, für Zellteilung und Wundheilung. Ein Mangel zeigt sich häufig an gereizter, schlecht heilender oder schuppiger Haut. Ob bei dir tatsächlich zu wenig Zink vorliegt, sollte im Blut gemessen werden.

Hilft Zink bei Neurodermitis oder Psoriasis?

Es gibt Hinweise, dass ein guter Zinkstatus den Verlauf günstig beeinflussen kann. Zink ersetzt aber keine dermatologische Behandlung und sollte nicht auf Verdacht dauerhaft hochdosiert eingenommen werden – Zink hat mit Kupfer einen Gegenspieler, der dabei aus dem Gleichgewicht geraten kann.

Kann der Darm bei hartnäckigen Hautproblemen eine Rolle spielen?

Ja. Darm und Haut stehen über das Immunsystem in enger Verbindung. Bei Schuppenflechte findet man zum Beispiel häufig eine veränderte Darmflora und eine durchlässigere Darmbarriere. Deshalb lohnt bei hartnäckigen Hautthemen der Blick nach innen.

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