Wissensblog · Leaky Gut & Autoimmunität
Ständig krank – warum dein Immunsystem bei HPU schwächelt
Wenn dich wirklich jeder Infekt erwischt und dann ewig hängen bleibt, liegt das selten an Pech oder einem „von Natur aus schwachen” Immunsystem. Häufig fehlt der Abwehr schlicht ein zentraler Baustein: Zink. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verliert der Körper es dauerhaft über den Urin – und Zink wird für fast jeden Schritt der Immunabwehr gebraucht, von der Schleimhaut als erster Grenze bis zu den Abwehrzellen selbst. Dazu kommt, dass ein großer Teil des Immunsystems im Darm sitzt, der bei HPU ohnehin oft gereizt ist.
„Ständig krank” ist deshalb selten ein Schicksal. Meist ist es ein unterversorgtes Immunsystem, dem das Werkzeug fehlt.
Warum werde ich ständig krank?
Weil eine funktionierende Abwehr Baustoffe braucht – und wenn die knapp sind, arbeitet sie langsamer und lückenhafter. Deine erste Verteidigungslinie sind die Schleimhäute in Nase, Rachen und Darm. Sind sie gut versorgt, halten sie viele Erreger schon draußen. Sind sie geschwächt, kommen Viren und Bakterien leichter durch, und die eigentliche Abwehr muss ran, wieder und wieder.
Kommt ein Erreger durch, entscheidet die Reaktionsgeschwindigkeit. Ein gut ausgestattetes Immunsystem erkennt den Eindringling schnell und räumt ihn ab, bevor du überhaupt viel merkst. Eines auf Sparflamme reagiert träge – und aus einem Schnupfen wird eine zähe Sache, die sich über Wochen zieht.
Was hat Zink mit der Abwehr zu tun?
Fast alles. Zink hält die Schleimhaut-Barriere stabil, es ist an der Reifung und Funktion der Abwehrzellen beteiligt, und es steuert mit, wie schnell und wie treffsicher das Immunsystem reagiert. Ein Zinkmangel gehört zu den bestuntersuchten Gründen für eine geschwächte Abwehr – Infekte werden dann häufiger, schwerer und länger.
Genau deshalb ist Zink so ein verräterischer Baustein: Wenn er fehlt, merkst du es oft zuerst daran, dass du einfach nicht mehr richtig gesund wirst.
Warum sitzt ein großer Teil der Abwehr im Darm?
Weil der Darm die größte Kontaktfläche deines Körpers zur Außenwelt ist – täglich strömen Nahrung, Bakterien und Umweltstoffe hindurch. Deshalb ist dort ein Großteil des Immunsystems stationiert, um ständig zu prüfen, was harmlos ist und was nicht (wie eng Darm und Immunsystem zusammenhängen).
Ist der Darm gereizt oder die Darmwand durchlässig, bindet das Immunsystem einen Teil seiner Kapazität dort – mit stiller Dauerbeschäftigung im Bauch. Was dort gebunden ist, fehlt an anderer Stelle, wenn ein echter Erreger anklopft. So kann ein unruhiger Darm eine ständige Infektanfälligkeit mit befeuern.
Was hat HPU damit zu tun?
Sie schwächt die Abwehr an genau diesen Stellen. Bei HPU verliert der Körper dauerhaft unter anderem Zink und Vitamin B6 über den Urin (was HPU genau ist) – also den wichtigsten Immun-Baustein und ein Vitamin, das der Körper an Hunderten Stellen braucht. Die Schleimhaut-Barriere wird durchlässiger, die Abwehrzellen arbeiten weniger schlagkräftig, und der ohnehin oft gereizte Darm bindet zusätzlich Kapazität.
Das erklärt, warum viele Menschen mit HPU sagen, sie hätten „schon immer” jede Erkältung mitgenommen. Es war nie Einbildung – es war ein Mangel, den niemand gesucht hat.
„Wenn jemand zu mir kommt und sagt, er sei ständig krank, klingt das für viele nach einer Ausrede. Für mich ist es ein Befund. Ein Körper, dem seit Jahren Zink fehlt, kann sich schlicht nicht richtig wehren – das ändert sich, sobald er es zurückbekommt.” — Dr. Claudia Bentzien
Was solltest du jetzt tun?
Zuerst eine wichtige Abgrenzung: Eine auffällige Infektanfälligkeit – ungewöhnlich schwere Infekte, wiederkehrende Lungenentzündungen oder Abszesse – sollte ärztlich abgeklärt werden, um in seltenen Fällen einen echten Immundefekt auszuschließen. Das ist nichts, was man einfach mit Nährstoffen angeht.
Für die häufigere Variante – „ich werde einfach nicht mehr richtig gesund” – lohnt der Blick auf das Terrain. Erkennst du dich im Gesamtbild wieder, mit Erschöpfung, empfindlicher Verdauung und Reizempfindlichkeit, kann eine HPU dahinterstecken. Zink sollte dabei nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen werden – gerade weil zu viel davon den Kupferhaushalt stört.
Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist ein ständig kränkelnder Mensch fast nie „einfach anfällig”. Meist ist es ein Immunsystem, dem das Material fehlt – und das lässt sich auffüllen.
Häufige Fragen
Wie oft krank zu sein ist eigentlich normal?
Für Erwachsene gelten etwa zwei bis vier Erkältungen pro Jahr als normal, bei kleinen Kindern deutlich mehr. Wer spürbar häufiger krank ist, jeden Infekt wochenlang mitschleppt oder immer wieder dieselben Beschwerden hat, sollte das ärztlich abklären lassen.
Hilft Zink gegen ständige Infekte?
Zink ist einer der wichtigsten Bausteine für die Immunabwehr, und ein Mangel schwächt sie messbar. Das heißt aber nicht, dass mehr immer besser ist: Zink hat mit Kupfer einen Gegenspieler, der bei dauerhaft hoher Zufuhr aus dem Gleichgewicht gerät. Sinnvoller ist, den Status zu messen und gezielt auszugleichen.
Wann sollte ich meine Infektanfälligkeit ärztlich abklären lassen?
Bei auffällig häufigen, schweren oder ungewöhnlich lang anhaltenden Infekten, bei wiederkehrenden Abszessen oder Lungenentzündungen. Dahinter kann in seltenen Fällen ein Immundefekt stecken, der ärztlich abgeklärt werden sollte, bevor man an Nährstoffen arbeitet.