Wissensblog · Darm, Hormone & Erschöpfung

HPU und Schilddrüse – warum normale Werte nicht alles sagen

Veröffentlicht: 16. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verliert der Körper laufend Zink – und Betroffene sind häufig auch bei Selen und Jod knapp. Das ist deshalb heikel, weil genau diese Bausteine die Schilddrüse dringend braucht: zum Bilden ihrer Hormone und, fast noch wichtiger, zum Umwandeln des Speicherhormons T4 in das aktive T3. Fehlt es an Zink und Selen, kann diese Umwandlung stocken – und du fühlst dich schilddrüsen-müde, obwohl dein TSH-Wert unauffällig aussieht. Genau das ist der Grund, warum so viele beim Arzt hören: Ihre Werte seien okay. Dabei sind sie es eigentlich nicht.

Eines vorweg: Die Schilddrüse sollte ärztlich betreut werden, und HPU ersetzt keine Diagnose. Aber sie ist ein Zusammenhang, den kaum jemand mitdenkt – und der erstaunlich viel erklärt.

Was braucht die Schilddrüse – und was hat HPU damit zu tun?

Die Schilddrüse ist auf ein paar Bausteine besonders angewiesen: Jod und die Aminosäure Tyrosin als Rohstoff, dazu Zink und Selen. Und dann kommt der Schritt, der gern vergessen wird: Die Schilddrüse gibt vor allem das eher träge Speicherhormon T4 ab. Erst im Körper wird es in das aktive T3 umgewandelt – und dafür braucht es Selen und Zink.

Und jetzt rate mal, was einer HPU laufend abhandenkommt. Richtig: Zink (was HPU genau ist). Dazu sind Selen und Jod bei Betroffenen überdurchschnittlich oft niedrig. Damit trifft es die Schilddrüse gleich doppelt – bei der Bildung und bei der Umwandlung der Hormone.

Warum sagen meine Werte „alles normal”, obwohl ich mich schilddrüsen-müde fühle?

Weil meist nur der TSH-Wert bestimmt wird – und der zeigt nicht das ganze Bild. Er sagt grob, ob die Schilddrüse genug produziert, aber nichts darüber, ob das Hormon auch in seiner aktiven Form ankommt. Stockt die Umwandlung von T4 in T3, etwa durch Zink- und Selenmangel, kann dein aktives T3 zu niedrig sein, während der TSH völlig unauffällig bleibt. Für die Schublade „alles in Ordnung” reicht das – für dein Wohlbefinden nicht.

Deshalb lohnt es sich, mehr anzuschauen als nur den TSH: auch fT3, fT4 und, bei Verdacht auf eine Autoimmunbeteiligung, die Antikörper. Und nicht nur, ob ein Wert im Normbereich liegt, sondern wo im Bereich er liegt.

Was hat Hashimoto mit HPU zu tun?

Ziemlich viel. Die autoimmune Schilddrüsenentzündung Hashimoto tritt bei HPU auffällig häufig auf – besonders bei Frauen und oft nach hormonellen Umbrüchen wie einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren. Ein Grund: Belastungen wie Schwermetalle können in der Schilddrüse das schützende Selen verdrängen und eine Autoimmunreaktion mit anschieben. Wie ein überreiztes Immunsystem, der Darm und die Schilddrüse zusammenhängen, habe ich hier ausführlicher beschrieben (Leaky Gut, Hashimoto & Autoimmunität).

„Ich sehe ständig Frauen mit klassischen Schilddrüsen-Symptomen und einem TSH, den der Arzt für super hält. Wenn man zum TSH auch noch fT3, fT4 und einige andere Parameter misst und die HPU dahinter erkennt, wird oft schnell klar: Der Schilddrüse fehlt schlicht das Werkzeug, um zu arbeiten. Füllt man das auf, kommt oft Bewegung in eine Sache, die jahrelang festhing.” — Dr. Claudia Bentzien

Was solltest du jetzt tun?

Zwei Dinge, zusammen. Erstens: Nimm die Schilddrüse ernst und lass sie ärztlich abklären – aber bestehe darauf, dass nicht nur der TSH bestimmt wird. Zweitens: Wenn du dich in diesem Bild wiedererkennst – Schilddrüsen-Symptome plus Erschöpfung, empfindlicher Darm, Stress- und Reizempfindlichkeit –, lass prüfen, ob eine HPU im Hintergrund mitspielt.

Und falls ja, geht es nicht darum, wahllos Zink, Selen und Jod zu schlucken. Gerade Jod und Selen sind bei einer Autoimmunschilddrüse heikel und sollten nicht auf Verdacht genommen werden. Der Weg ist immer derselbe: erst messen, dann gezielt und begleitet ausgleichen – nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen. Nimmst du bereits Schilddrüsenhormone, spielt außerdem das Timing mit dem Kaffee eine Rolle (Kaffee und Schilddrüse).

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist die müde Schilddrüse trotz guter Werte eines der dankbarsten Themen: Sobald der Körper zurückbekommt, was ihm die HPU ständig entzieht, arbeitet auch die Schilddrüse oft wieder runder.

Häufige Fragen

Kann HPU eine Schilddrüsenunterfunktion verursachen?

Direkt verursachen nicht, aber begünstigen und verstärken. Weil HPU dem Körper Zink entzieht und Betroffene oft auch bei Selen und Jod knapp sind, fehlen der Schilddrüse Bausteine für die Hormonbildung und für die Umwandlung von T4 in T3. Das sollte ärztlich abgeklärt werden.

Warum ist mein TSH normal, aber ich habe Schilddrüsen-Symptome?

Der TSH zeigt nicht alles. Stockt die Umwandlung des Speicherhormons T4 in das aktive T3 – etwa bei Zink- und Selenmangel –, kann dein aktives T3 zu niedrig sein, während der TSH normal bleibt. Deshalb lohnt es sich, auch fT3, fT4 und bei Verdacht die Antikörper zu bestimmen.

Welche Nährstoffe braucht die Schilddrüse – und sind die bei HPU knapp?

Vor allem Jod, Selen, Zink und die Aminosäure Tyrosin. Ausgerechnet Zink verliert der Körper bei HPU laufend, Selen und Jod sind oft zusätzlich niedrig. Wichtig: gerade Jod und Selen nicht auf Verdacht einnehmen, sondern erst messen und begleitet ausgleichen – bei Autoimmunthemen besonders vorsichtig.

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