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HPU und Schlafstörungen – warum dein Körper nicht abschalten kann

Veröffentlicht: 20. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Wenn du abends todmüde ins Bett fällst und trotzdem nicht abschalten kannst, fehlt deinem Körper oft schlicht das Material zum Runterfahren. Bei einer Hämopyrrollaktamurie (HPU) verliert er laufend Vitamin B6 – und B6 ist ausgerechnet der Baustein, den er für die Botenstoffe braucht, die dich zur Ruhe bringen: GABA, das beruhigt, Serotonin und das daraus gebildete Melatonin, das den Schlaf einleitet. Fehlt B6, stockt diese Produktion an drei Stellen gleichzeitig. Dazu kommt ein Magnesiummangel, der die Nerven zusätzlich reizbar hält.

Schlechter Schlaf ist bei HPU deshalb selten Kopfsache. Meist ist es Biochemie.

Warum kann ich nicht abschalten, obwohl ich todmüde bin?

Weil Müdigkeit und Schlaffähigkeit zwei verschiedene Dinge sind. Zum Einschlafen braucht dein Gehirn Bremsen – und die stellt es selbst her. GABA ist die wichtigste davon, der beruhigende Gegenspieler zum antreibenden Glutamat. Damit dein Körper GABA überhaupt bauen kann, braucht er aktives Vitamin B6. Dasselbe gilt für Serotonin und für den Schritt, in dem daraus Melatonin entsteht.

Und da liegt der HPU-Haken: Genau dieses B6 verliert dein Körper bei einer HPU dauerhaft über den Urin (was HPU genau ist). Wer wenig B6 hat, hat oft zu wenig Bremse und zu wenig Schlafsignal – gleichzeitig. Dazu unterstützt Magnesium die beruhigende GABA-Wirkung und die Melatoninbildung, und auch Magnesium wird unter Dauerstress und bei HPU schnell knapp.

Warum werde ich nachts um drei wach?

Das ist eines der typischsten Muster – und oft steckt Histamin dahinter. Im Gehirn ist Histamin ein wachmachender Botenstoff: Es hält dich wach und unterdrückt den Traumschlaf. Genau deshalb machen antihistaminische Medikamente müde. Und die Mastzellen, die Histamin freisetzen, folgen einem eigenen Tagesrhythmus – bei empfindlichen Menschen kann das mitten in der Nacht zum Wachwerden führen, gern mit Herzklopfen oder Hitzegefühl (Histaminintoleranz und Darm).

Bei HPU verstärkt sich das doppelt. Das körpereigene Histamin wird über einen Weg abgebaut, für den ebenfalls B6 gebraucht wird – fehlt es, bleibt mehr Histamin im System. Und obendrauf kommt der aus dem Takt geratene Cortisolrhythmus bei Dauerbelastung (was dahinter wirklich steckt). Das Ergebnis ist die klassische Kombination: abends wach, morgens wie erschlagen.

„Fast alle Frauen mit HPU, die zu mir kommen, schlafen schlecht – und fast alle haben das jahrelang als Stress abgetan. Wenn dem Körper das Material für seine eigenen Beruhigungs-Botenstoffe fehlt, kann er nicht abschalten. Das ist kein Willensproblem.” — Dr. Claudia Bentzien

Was hat der Darm mit meinem Schlaf zu tun?

Mehr, als die meisten denken. Ein großer Teil des Serotonins entsteht im Darm, und wie viel Histamin überhaupt ins System gelangt, entscheidet sich ebenfalls dort. Ist die Verdauung gereizt oder fehlbesiedelt, kippt beides – und dein Nervensystem bekommt das nachts zu spüren (warum dein Bauch bei Stress mitfühlt). Deshalb bringt es bei hartnäckigen Schlafproblemen wenig, nur am Abendritual zu feilen, wenn im Bauch etwas grundlegend nicht rundläuft.

Was solltest du jetzt tun?

Zuerst das Naheliegende: Halten die Schlafprobleme an, sollte das ärztlich abgeklärt werden – auch eine Schlafapnoe oder eine Schilddrüsenstörung sollten ausgeschlossen sein (wie die Schilddrüse bei HPU mitspielt).

Und dann der Blick auf die Bausteine: Wenn du dich im Gesamtbild wiedererkennst – schlechter Schlaf plus Erschöpfung, Reizempfindlichkeit, empfindlicher Darm –, lohnt es sich zu prüfen, ob eine HPU dahintersteckt. Was ich ausdrücklich nicht empfehle: auf Verdacht Melatonin oder hochdosiertes B6 zu nehmen. Gerade bei B6 gibt es eine Obergrenze, oberhalb derer es den Nerven schadet. Der Weg ist derselbe wie immer: erst messen, dann gezielt und begleitet ausgleichen – nicht blind substituiert, sondern im Blut gemessen.

Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist der Schlaf oft das Erste, was sich bessert, sobald der Körper zurückbekommt, was ihm die HPU jahrelang entzogen hat. Nicht über Nacht – aber spürbar.

Häufige Fragen

Warum wache ich nachts immer zur selben Zeit auf?

Ein wiederkehrendes Aufwachen zur gleichen Stunde spricht für einen rhythmischen Auslöser – häufig Histamin, ein wachmachender Botenstoff, dessen Freisetzung einem Tagesrhythmus folgt, oder ein aus dem Takt geratener Cortisolrhythmus. Das ist ein guter Hinweis, tiefer zu schauen, statt nur die Schlafhygiene zu optimieren.

Hilft Melatonin bei Schlafproblemen durch HPU?

Melatonin kann kurzfristig helfen, geht aber an der Ursache vorbei: Ohne ausreichend Vitamin B6 kann dein Körper Melatonin nicht gut selbst bilden. Sinnvoller ist, den Mangel zu klären, statt nur das Endprodukt zu ersetzen – und die Einnahme sollte fachlich begleitet werden.

Kann Magnesium beim Einschlafen helfen?

Magnesium unterstützt die beruhigende GABA-Wirkung und die Melatoninbildung, weshalb es bei Schlafproblemen oft eine Rolle spielt. Welche Form und Menge sinnvoll ist, ist individuell – und es ersetzt nicht die Suche nach der Ursache.

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