Wissensblog · Darm, Hormone & Erschöpfung

Was ist HPU (Hämopyrrollaktamurie)?

Veröffentlicht: 14. Juli 2026 · Dr. rer. nat. Claudia Bentzien

Hämopyrrollaktamurie – kurz HPU – ist eine meist vererbte Stoffwechselbesonderheit, bei der der Körper dauerhaft wichtige Bausteine über den Urin verliert: aktives Vitamin B6, Zink und Mangan. Weil genau diese Stoffe an unzähligen Stellen im Körper gebraucht werden, entstehen mit der Zeit viele, oft scheinbar zusammenhanglose Beschwerden – von Erschöpfung über Verdauungsprobleme bis zu Stressempfindlichkeit.

Eines vorweg, damit du es einordnen kannst: Die klassische Schulmedizin kennt HPU bis heute kaum. In der funktionellen Medizin dagegen ist sie ein etabliertes Thema. Genau deshalb bleibt sie bei vielen Menschen jahrelang unentdeckt – obwohl sie so vieles erklären würde.

Was passiert bei HPU im Körper?

Vereinfacht gesagt läuft ein Schritt bei der Bildung des roten Blutfarbstoffs anders ab. Dabei entsteht ein Stoff, den der Körper nicht gebrauchen kann – das Hämopyrrollaktam, kurz HPL. Um ihn loszuwerden, scheidet der Körper ihn über den Urin aus. Das Dumme daran: Auf diesem Weg bindet HPL ausgerechnet aktives Vitamin B6, Zink und Mangan an sich und schleust sie mit hinaus. Tag für Tag. So entsteht ein schleichender, chronischer Mangel an genau den Bausteinen, die der Körper für Energie, Verdauung, Nerven und Hormone dringend braucht.

Welche Beschwerden macht HPU?

Weil B6, Zink und Mangan an so vielen Prozessen beteiligt sind, ist das Beschwerdebild breit – und genau das macht HPU so schwer greifbar. Häufig berichtet werden:

  • Anhaltende Erschöpfung und wenig Belastbarkeit (wenn der Darm müde macht)
  • Empfindliche Verdauung, Blähungen, Unverträglichkeiten (HPU und der Darm)
  • Stress- und Reizempfindlichkeit, innere Unruhe, schlechter Schlaf
  • Histaminprobleme (Histaminintoleranz und Darm)
  • Themen mit Haut, Zyklus und Hormonen, oft verstärkt in Umbruchphasen wie den Wechseljahren

Kein Mensch hat alle diese Beschwerden. Aber wer mehrere davon kennt und schon vieles ohne Erfolg probiert hat, sollte HPU zumindest auf dem Schirm haben.

Warum kennt mein Arzt HPU nicht?

Weil HPU in der klassischen Schulmedizin (noch) nicht als eigenes Krankheitsbild anerkannt ist – in der funktionellen und orthomolekularen Medizin dagegen sehr wohl. Diese Lücke ist der Grund, warum so viele Betroffene eine lange Odyssee hinter sich haben: Die Standard-Untersuchungen suchen nicht danach, und wenn die üblichen Werte unauffällig sind, heißt es schnell, es sei alles in Ordnung. Ich sehe das nicht als Vorwurf an die Medizin – aber als guten Grund, genauer hinzuschauen, wenn Beschwerden bleiben und niemand sie erklären kann.

„Ich habe unzählige Menschen erlebt, die jahrelang als austherapiert oder psychosomatisch galten – und bei denen sich hinter allem eine HPU verbarg. Das ist keine Modediagnose. Es ist oft das fehlende Puzzlestück, nach dem vorher niemand gesucht hat.” — Dr. Claudia Bentzien

Wie wird HPU festgestellt?

Über einen speziellen Urintest, der das HPL misst. Weil dabei aber auch dein individueller Nährstoffstatus zählt, sollten Werte wie Zink und Vitamin B6 zusätzlich im Blut gemessen werden – nicht blind substituiert, sondern erst geschaut, dann gezielt gehandelt. Wichtig ist, den Test von jemandem einordnen zu lassen, der sich mit HPU auskennt; eine einzelne Zahl sagt für sich genommen wenig.

Was kann man bei HPU tun?

HPU ist eine angeborene Besonderheit – sie verschwindet nicht. Aber das ist gar nicht der Punkt. Der Punkt ist, die laufenden Verluste gezielt auszugleichen, sodass der Körper wieder genug von dem hat, was ihm ständig entzogen wird. Viele Menschen fühlen sich damit über die Zeit deutlich stabiler – vorausgesetzt, es wird individuell gemacht und begleitet, nicht nach einem Schema aus dem Internet.

Wenn du dich in vielem hier wiedererkennst, ist das kein Grund zur Sorge, sondern vielleicht endlich eine Spur. Aus meiner Erfahrung mit über 600 begleiteten Menschen (mehr über mich) ist HPU eines der Themen, bei denen ein einziges Verstehen jahrelanges Rätselraten beenden kann – wenn man es von der Ursache her angeht.

Häufige Fragen

Ist HPU dasselbe wie KPU oder Kryptopyrrolurie?

Sie meinen weitgehend dasselbe Phänomen und werden oft unter dem Begriff Pyrrolurie zusammengefasst – beide beschreiben eine Störung im Häm-Stoffwechsel, bei der vermehrt Mikronährstoffe wie Zink und Vitamin B6 über den Urin verloren gehen. Die feinen Unterschiede liegen in Ursache und Messung: Kryptopyrrolurie (KPU) gilt eher als die erworbene Form (etwa durch chronischen Stress, Umweltfaktoren oder Schwermetalle), Hämopyrrollaktamurie (HPU) eher als die genetisch vererbte Form, für die ein spezifischerer Urin-Marker gemessen wird. Da die Begriffe oft synonym verwendet werden, ähneln sich Beschwerden und Behandlung meist stark.

Wie wird HPU getestet?

Über einen speziellen Urintest, der den Stoff HPL nachweist. Zusätzlich ist der Nährstoffstatus im Blut wichtig. Beides sollte von einer fachkundigen Person eingeordnet werden, nicht allein anhand eines einzelnen Werts.

Ist HPU heilbar?

HPU ist eine angeborene Stoffwechselbesonderheit und in dem Sinne nicht heilbar. Aber die laufenden Nährstoffverluste lassen sich gezielt ausgleichen, sodass sich viele Betroffene deutlich wohler fühlen. Es geht weniger um Heilung als um kluges, begleitetes Ausgleichen.

← Alle Beiträge im Wissensblog